Leider wieder einmal ein MA-4000 auf dem Operationstisch. Der Patient präsentiert sich in einem alarmierenden Zustand – ein regelrechtes Multi-Organversagen, das ihn bereits an den Rand des Abschreibens gebracht hatte. Zuvor war das Gerät in zwei verschiedenen Werkstätten in Italien und hatte dort mehrere Reparaturversuche hinter sich.
Das Ausmaß der Schäden ist erschreckend: fehlende Netzteilkondensatoren, regelrecht explodierte Transistoren, sicherheitsrelevante Widerstände, die durch einfache Kohleschichtwiderstände ersetzt wurden, sowie fehlende oder beschädigte Bauteile. Der gravierendste Befund jedoch betrifft den X2-Sicherheitskondensator, der direkt an der Netzspannung liegt: Er wurde durch einen handelsüblichen Kondensator ersetzt, der weder für diesen Einsatzzweck ausgelegt noch impulsfest ist. Allein diese Maßnahme lässt deutlich erkennen, dass die ausführende Werkstatt keine ausreichende Fachkenntnis besaß.








Fremdeingriffe stellen stets eine besondere Herausforderung dar – der tatsächliche Reparaturstand und der Zustand der eingebauten Bauteile sind schlicht unbekannt. In diesem Fall herrscht reines Chaos, weshalb zunächst eine saubere Ausgangssituation geschaffen werden muss. Das bedeutet leider: alle Halbleiter ausbauen und einzeln prüfen.

Dabei fällt sofort auf, dass bereits zahlreiche Ersatztransistoren verbaut wurden – und einige davon erwecken sogleich Misstrauen. Als erstes sticht der Vorstufentreiber 2SC2591 ins Auge: Am Multimeter verhält er sich unauffällig, weist jedoch eine ungewöhnlich bräunliche Beschriftung sowie ein für diesen Transistortyp untypisches Matsushita-Logo auf.

Der Tektronix 576 Curve Tracer bestätigt den Verdacht rasch: Unter realen Betriebsbedingungen zeigt der Transistor deutlich abnormales Verhalten. Laut Datenblatt liegt die maximale U_CBO bei 120 V – bereits bei knapp 80 V bricht der Transistor schlagartig durch und erzeugt einen Leckstrom von rund 10 mA.


Aus reiner Neugier wird der Transistor anschließend einer Röntgenuntersuchung unterzogen – und auch hier bestätigt sich der Fälschungsverdacht: Der Die sowie der Querschnitt der Bonddrähte sind deutlich kleiner als beim Original. Dasselbe gilt für den Endstufentreiber 2SC2591, bei dem ebenfalls markante Unterschiede zum Original feststellbar sind.




Auch der Operationsverstärker am NF-Eingang weicht sichtbar vom Original ab – und entpuppt sich im Laufe der Reparatur als Hauptverursacher eines instabilen DC-Offsets.


Nach unzähligen Arbeitsstunden ist aber auch dieser MA-4000 gerettet und darf zurück ins sonnige Italien reisen.

