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Accuphase E-305

HiFi Reparatur und Service

Nach einer längeren Pause gibt es wieder ein paar Neuigkeiten von mir
Ich hoffe ihr habt alle die Coronakrise bislang gut überstanden und seid alle gesund geblieben!

Für einen meiner Patienten dachte ich mir wieder einmal einen Blogeintrag zu erstellen. Es handelt sich um einen sehr hochwertigen Stereo-Vollverstärker aus der japanischen Schmiede Accuphase. Es handelt sich um das Modell E-305 welcher zwischen 1990 und 1993 gebaut wurde und kostete umgerechnet etwa 2600€

Das Gerät zeichnet sich durch sehr aufwendige Schaltungen (speziell im Vorstufenbereich) aus. So werden z.B für die Signalaufbereitung sehr viele MOSFET’s verwendet. Ebenso die Endstufentransistoren werden von MOSFET’s angetrieben, die wirklich Verstärkung in der Ausgangsstufe übernehmen jedoch jeweils 3 BJT’s. (3 NPN und 3 PNP)

Das Gerät soll laut Angaben keine Funktion mehr zeigen. Kurz vor Quittierung des Dienstes soll es ein mildes „Knall“-Geräusch gegeben haben.
Tatsächlich scheint das Gerät komplett tot zu sein, keinerlei Stromaufnahme bei betätigen des Hauptschalters.
Nach Abnahme der Bodenplatte und Prüfung der Primärsicherung ist auch sofort klar: Hier hat’s was gröberes.

Bei dem optischen Zustand der Sicherung verzichte ich darauf diese zu ersetzen und das Gerät nochmals in Betrieb zu nehmen, um weitere Schäden zu vermeiden.
Stattdessen nehme ich den oberen Gehäusedeckel ab und baue erstmal einen Endstufenblock aus.

Eine kurze Messung an den Endstufentransistoren lässt nichts gutes erahnen. Um sicher zu gehen werden jeweils 2 Pins ausgelötet und mit dem Komponentester analyisiert.

Die Diagnose ist leider sehr mau… 5 von 6 Endstufentransistoren haben einen Kurzschluss.
An dieser Stelle muss ebenso erwähnt werden das die Reparatur dieser Endstufen sehr aufwendig ist und man extrem genau arbeiten muss um das sofortige Abrauchen der getauschten Endstufen zu verhindern. Eine genaue Messung der vorgeschalteten Halbleiter (insbesondere der MOSFET’s, Vorstufe) ist unumgänglich.
Was ebenso gerne vergessen wird ist die Prüfung der Emitterwiderstände. Viele „Techniker“ messen nur kurz mit einem gewöhnlichen Multimeter drüber, denken aber nicht dran das ein gewöhnliches Multi bzw. Ohmmeter gar nicht in der Lage ist die Emitterwiderstände genau zu messen.
Im Prinzip hilft hier nur:
– komplettes tauschen aller Emitterwiderstände
– Messung der Emitterwiderstände mit einem geeignetem Messgerät

Der erste geprüfte Emitterwiderstand zeigt sich in Ordnung. Lt. Datenblatt haben diese eine Toleranz von +/- 10% – Somit ist alles im Bereich von 0,42 bis 0,52Ohm in Ordnung.

Meine „Warnung“ bewahrheitet sich aber direkt beim nächsten Emitterwiderstand

mit 0,55Ohm befindet sich der Widerstand definitiv ausserhalb der Spezifikation und muss erneuert werden.
Bei dieser Gelegenheit und auf Rücksichtnahme des HiFi-Faktors werden selbstverständlich alle Emitterwiderstände getauscht.

Die Detailanalyse ist natürlich sehr umfangreich. Es müssen sämtlich gekoppelte Transistoren der Vorstufe und Eingangsstufe geprüft werden. Da es sich bei einigen davon um MOSFET’s handelt bleibt ein Ausbau aller einzelnen Transistoren mit anschließender Messung nicht erspart.
Als defekt erweisen sich noch die Treiber der MOSFET-Vorstufen sowie einige Vorwiderstände und Z-Dioden.

Da die Endstufentransistoren sehr schwer erhältlich sind (bezogen auf die originalen Chargen von Toshiba) und hier vorab nie sicher ist ob es sich um Fälschungen handelt, entscheide ich mich in Absprache mit dem ursprünglichen Besitzer, für Ersatztransitoren des selben Typs von ISC. Hier muss ebenso darauf geachtet werden das die Transistoren von einem seriösem Lieferanten bezogen werden – am besten verwendet man einfach direkte Supplier von ISC – denn selbst ISC Transistoren werden gefälscht.

Die defekten Transistoren werden ausgelötet, die alte Wärmeleitpaste entfernt. Anschließend werden neue Glimmerscheiben auf neue Hochleistungspaste aufgelegt (immer stets darauf achten das die Paste elektrisch isoliert!)

Dann gehts ans „Paaren“ der Transistoren, was auch mal gut und gerne einige Zeit in Anspruch nimmt jedoch als sehr wichtig erachtet werden sollte, um spätere Übernahmeverzerrungen, Hitzeprobleme sowie übermäßige Verzerrungen zu vermeiden!

Nach sorgfältiger Selektion und Reparatur scheint die Endstufe vorerst wieder Einsatzbereit

Ein kurzer Blick über die zweite Endstufe, welche sich OK misst, und schon gehts los!
Zuerst wird langsam mit dem Trenntrafo hochgeregelt und die primäre Stromaufnahme sowie der Ruhestrom an der reparierten Endstufe beobachtet.

Da erwacht sie auch schon zum Leben 🙂

Es folgen noch einige Justagen nach Serviceanleitung sowie eine Prüfung beider Kanäle auf gleichen Pegel sowie eine (Vergleichs)-Messung der Verzerrung (THD)

Die Genauigkeit bei der Arbeit hat sich ausgezahlt! Der reparierte Kanal weißt eine Verzerrung von 0.013% auf während der „originale“ Kanal bei 0,015% arbeitet. – Beide mehr als innerhalb der Spezifikation!

4 Antworten

  1. MS sagt:

    Danke für die schöne Erfolgsgeschichte!
    Ich werde nie verstehen wie das alles zusammenhängt…
    Nichtsdestotrotz bin ich Musikgenießer und in Besitz genau dieses Gerätes.
    Eine Frage:
    Seit einiger Zeit habe ich im linken Kanal GELEGENTLICH ca. 30% weniger Lautstärke, zusätzlich leicht kratzigen Sound. Schalte ich ihn wieder aus und wieder ein, ist meist alles wieder gut, manchmal ist aber Wiederholung nötig. In 80% aller Fälle läuft aber alles sofort einwandfrei.
    So schwer Ferndiagnosen sicher sind… kann ein Profi dazu etwas sagen, was das typischerweise sein könnte?
    Ich wollte mein Schätzchen eh mal wieder zur Wartung geben…
    Grüße aus dem Münsterland

    • hifi-workshop sagt:

      Hallo,

      das ist aus der Ferne tatsächlich schwer zu sagen.
      Häufig wird der Fehler durch ein Relais verursacht oder es sind kalte Lötstellen vorhanden, oder der Fehler wird durch etwas ganz anderes verursacht.
      Für eine genaue Aussage müsste ich das Gerät tatsächlich am Tisch haben.
      LG

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